Interview mit den Veranstaltern des Boarstream Open AiRs
Das Boarstream Open AiR ist ein in der hohenloher und fränkischen Region sehr bekanntes Festival, das seit 2008 besteht und bereits in seiner zweiten Ausgabe dieses Jahr Bands wie Graveworm, Kromlek oder die Grailknights als Gäste begrüßen durfte.
An einem schön-düsteren Sonntagnachmittag haben sich bei mir Michael (26, Bankbetriebswirt), Marci (25, Großhandelskaufmann) und Martin (21, Zeitsoldat) eingefunden, um bei Brot und Bier etwas über das Boarstream Open AiR, Festivals allgemein und ein paar Anekdoten zu plaudern.
Wie seid ihr denn auf die Idee zu dem Boarstream Open AiR, oder besser gesagt allgemein zu einem Festival bei uns in der Gegend gekommen und welche Intention war denn dahinter?
Im Grunde war das Ganze eine spontane Idee, die uns auf einer Geburtstagsfeier eines Freundes kam, ein Kind des Alkohols sozusagen. Uns fiel einfach auf, dass es in der Umgebung quasi keine richtige Metalveranstaltung gibt, aber wenn bei einem Tanz auch nur eine Metalcoverband spielt, die Halle mit schwarzen Gestalten randvoll ist. Sprich die Metalheads gibt es in der Tat auch hier. Das war also kein Schuss ins Blaue, wie man eventuell denken könnte bei so einem Vorhaben. Und wir hatten eigentlich auch nur vor, endlich mal ein Metalfestival in unserer Gegend zu machen, auf dem auch mal junge und/oder relativ unbekannte Metalbands aus der Region spielen sollten.
Welche Aufgabenbereiche habt ihr denn im Boar-Dreamteam unter eurer Kutte?
Marci: Meine Aufgabe ist hauptsächlich das Design der Website sowie alles andere, was mit Grafiken zu tun hat. Michael und ich sind sozusagen die besten Freunde des Ebers und seine beiden Hauptlakaien.
Michael: Ich bin in alle Bereichen des Boarstream Open AiRs involviert und sozusagen der Zeremonienmeister. Beruflich bedingt fallen mir natürlich alle finanziellen Aspekte zu, auch in den rechtlichen Angelegenheiten vertrete ich das Boarstream Open AiR.
Martin: Die Boar und alles was damit zu tun hat ist mein Revier; (lacht) ich bin euer Boarmann! Zusätzlich bin ich sehr engagiert beim Auf- und Abbau des Festivals.
Nun, das ist aber ja längst nicht alles, was man für ein Festival benötigt. Wie viele Helfer habt ihr denn und werden die denn bezahlt?
Enger gesehen haben wir um die 20 Helfer, die auch noch wichtige Aufgaben vor, auf und nach dem Festival wahrnehmen. Weiter gefasst haben wir mehr als 40 Helfer für allerlei kleinere Aufgaben, die jedoch alles ehrenamtlich erledigen. Wir arbeiten in dieser Hinsicht auch übrigens sehr eng mit dem örtlichen „Hüttenverein“ zusammen, der uns übrigens auch 2008 das erste Startkapital stellte und absicherte.
Womit wir schon beim nächsten Thema wären, dem Finanziellen. Wie viel Geld musstet ihr denn 2008 aufbringen um das Festival aufzuziehen?
Also mit 2000 bis 3000 Euro sind wir denke ich gut dabei gewesen. Es ist im Metalbereich zum Glück so, dass man viele gute Bands für relativ wenig Geld an Land holen kann. Ein in dem gleichen Sommer in der Nähe stattfindender Rockabend hatte für nur zwei Bands dieselbe Summe gezahlt und weniger Erfolg gehabt als wir.
Wie groß war der Erfolg denn?
(Grinsen in der Runde)
Wir haben ein leichtes Minus gemacht, aber das konnten wir dieses Jahr locker wieder herausholen, da muss man erneut dem Hüttenverein danken, der uns den Verlust abgefangen hat und dem wir dieses Jahr mit stolzgeschwellter Brust das Geld zurückgeben konnten.
Habt ihr denn einen Sponsor gehabt?
Ja, sogar einen namhaften: Den Bierbrauer „Franken Bräu“.
Na da wurde ja auch gleich die Verpflegung mit abgedeckt.
Natürlich, unter anderem deswegen konnten wir unsere Preise so verbraucherfreundlich und nicht so übertrieben wie größere Festivals gestalten. Wir wollen allgemein eine Preispolitik, die nah am Musikfan ist und bei der unsere Kosten gedeckt sein sollen mit einem minimalen Plus. Aber da eh immer wieder was anfällt haben wir uns für die Zukunft zum Ziel gesetzt, einfach nur auf Null herauszukommen.
Interpretiere ich das richtig, dass ihr das Boarstream immer klein halten werdet?
Ja, das stimmt, schon allein vom Platz her ist mehr nicht möglich (das ganze Jagsttal ist bis auf kleinere Ausnahmen Naturschutzgebiet). Aber auch wenn das nicht so wäre, strebten wir ein großes Metal Open Air hier überhaupt nicht an, da würde uns und allen Leuten die damit zu tun haben wohl über kurz oder lang der Spaß vergehen, und das wollen wir nicht. Jeder soll von so einem Festival etwas haben.
Verstehe, und die Nachbarn und die Gemeinde beschweren sich nicht?
Nein, die Leute freuen sich, dass mal was los ist und sehen den Bands vom Balkon aus zu und die Gaststätten sind während dieser Zeit immer gut mit Metalheads gefüllt.
Nur aus Eberbach mussten wir leider aufgrund einer EU-Richtlinie mit dem schönen Namen Natura 2000 ausziehen, woran aber keineswegs die Eberbacher schuld sind!
Oh, deswegen der Locationwechsel, das ist traurig. Da der Name Boarstream Open AiR ja an Eberbach angelehnt ist, habt ihr je daran gedacht das Festival umzubenennen?
Natürlich, aber nur kurzzeitig. Wir hatten uns bereits nach dem ersten Jahr einfach zu sehr mit dem Boarstream Open AiR und der Bezeichnung identifiziert, und es gibt ja so viele lustige Ableitungen, die man aus dem Namen herausziehen kann; zum Beispiel sind wir das „Boars-Dreamteam“ und die Namensfolge Boarstream Open AiR gibt ja mit den Anfangsbuchstaben wieder das Wort „Boar“; oder unser Schlachtruf „Roar for the Boar“, dann sollten wir alle an die Boar und da ein boar Bier trinken; man hat Geboartstag…
Boar ey. Mal zum musikalischen Teil, welcher die Leser wohl neben den Hintergrundeindrücken am meisten interessieren wird: Sieht sich das Boarstream noch als Black Metal und Pagan Metal Festival wie es 2008 begann?
Nein, ich denke es dürfte schon allein aus dem Billing dieses Jahres mit den Grailknights, Necrotic Flesh, L’Estard und Graveworm hervorgegangen sein, dass wir uns eher als allgemeines Metalfestival sehen. Wichtig für uns ist auch, dass uns die Bands persönlich gefallen, deswegen wird wohl auf dem Boarstream niemals eine True oder Heavy Metal Band spielen. Nächstes Jahr zum Beispiel planen wir 3 Grindcore und Goregrindbands als „Partyeinheizer“ zu engagieren und in weiterer Zukunft eventuell auch Thrash und verstärkt Death Metal Bands. Doch das bleibt abzuwarten; wir wollen natürlich auch nur Bands bringen, die unsere Besucher auch sehen wollen.
Wie nimmt man denn zu einer Band Kontakt auf, oder melden sich die Bands eher bei euch?
Du wirst überrascht sein: Über 100 Bands hatten sich bei uns beworben, darunter Teils recht skurrile Bands, die so gar nicht in unser Profil passen wie Rock oder Popbands. Das Extremste was wir mal im Postkasten liegen hatten war die Bewerbung einer Beatlescoverband aus Tschechien, leider sieht man daran, dass viele Leute sich schlecht bis gar nicht über ein Festival informieren, ehe sie dorthin ihre Bewerbung abschicken.
Natürlich waren das alles nicht die größeren Bands die wir engagiert hatten, zu denen muss man als Festivalveranstalter dann schon selbst Kontakt aufnehmen. Doch das ging einfacher als du denkst; die meisten sind ja Menschen wie wir.
Wir haben einfach eine Email an die Band oder ihr Management (die Emailadressen stehen oft auf ihren Homepages) gesendet mit unserem Anliegen, da muss man sich nicht mit langen Formalitäten herumschlagen, wie man im Allgemeinen so glaubt.
Habt ihr so unkompliziert auch Gernotshagen letztes Jahr als kurzfristigen Ersatz für Menhir geholt?
Nein, das ging sogar noch unkomplizierter! Wie haben einfach bei ihnen angerufen und da sie an besagtem Wochenende (Menhirs Absage dieser Anruf geschahen knapp zwei Wochen vor dem Festival!) nichts zu tun hatten, waren sie froh über den Auftritt und begeistert danach.
Was man auch merkte, immerhin waren Gernotshagen nach einstimmiger Meinung der Höhepunkt des ersten Boarstream Open AiRs gewesen. Gab es eine ähnliche Kracherband für euch dieses Jahr?
Für uns war ganz klar Graveworm der Höhepunkt des diesjährigen Boarstream Open AiRs, da wir diese Band schon immer mochten und dass sie jetzt einmal auf unserem eigenen Festival zu sehen war – nahezu unglaublich. Von Seiten der Besucher haben wir allerdings vermehrt Stimmen gehört, dass die Grailknights sie am meisten überrascht hätten mit ihrer super Bühnenshow.
Wärt ihr schon bereit einen kleinen Ausblick auf nächstes Jahr zu geben? Was für Leckerbissen werdet ihr servieren?
Wir haben uns entschlossen für dieses Interview nur einen kleinen Vorgeschmack konkret preiszugeben, doch wir denken auch diese Bands rechtfertigen schon einen Besuch!
Freitags werden die ersten Bands nacheinander Thormesis (Rothenburg ob der Tauber), Slechtvalk (Niederlande) und Sycronomica (München) sein, Samstagnachmittags werden die Ludwigsburger Darkness Ablaze und Schattenreich aus Crailsheim auftischen. Dies ist wie gesagt natürlich nur ein Appetithäppchen, wir wollen euch ja nicht die Spannung verderben ;)
Wie viele Bands werden es denn insgesamt an Freitag und Samstag sein?
Insgesamt 15 Bands, freitags 5 (die allerdings zugegebenermaßen erst abends zu spielen beginnen), und ab Samstagnachmittag 10.
Das wird wohl wieder ein Fest werden, wir freuen uns drauf! Aber das ist doch sicher großer Stress für euch, oder?
Hanna Klar! Oder ihre Schwestern Jana Klar und Anna Klar! Vor allem da das diesjährige Boarstream Open AiR mit dem Eberbacher Gassenfest zusammenfiel und wir da auch als Organisatoren mitwirkten war das schon stressig. Aber hey, es macht in erster Linie Spaß und irgendwer muss sich ja dem Eber opfern ;)
Dass ihr für euer Engagement eine Menge Lob bekommt kann man sich ausrechnen, gab es aber schon mal negative Kritiken zum Boarstream Open AiR?
(Gelächter in der Runde) Ja, von manchen Leuten haben wir gehört dass das Bier schlecht schmecken würde; die sind doch nur nichts gewohnt!
Welche Ausblicke habt ihr denn für das Boarstream Open AiR in näherer und fernerer Zukunft?
Das Boarstream Open AiR hat in jedem Fall Zukunft, da es genug Leute gibt, die es tragen und unterstützen. Es wird als lokales Festival hier in der Gegend bleiben und wohl auch klein bleiben. Wie gesagt sind wir da schon vom Platz her gezwungenermaßen gedeckelt.
Damit wärt ihr auch schon erlöst. Das letzte Wort gehört euch!
ROAR FOR THE BOAR!!!
Niederstetten, den 01.11.2009, das Interview führte Falk Hagelstein